Wie werde ich glücklich? - Die ewig gestellte Frage

October 5, 2016

 

Glücklich sein...

 

Hast du dich jemals gefragt, was Glück oder Freude sind? Ist es eine Laune, eine Einbildung, ein Gemütszustand oder eine Lebensart? Was macht uns glücklich? Und existiert Freude in diesem Leben überhaupt?

 

Im Qur’ân spricht Allâh mehrmals über Freude. Beispielsweise sagt der Allmächtige „Die Bewohner des Paradieses sollen an diesem Tag Wonne genießen und sich freuen.”[1] und „Sie erfreuen sich der Gaben ihres Herrn. Ihr Herr hat sie vor der qualvollen Strafe der Hölle bewahrt.”[2]

 

Wenn Allâh von vollkommener Freude spricht, spricht Er von der Freude im Jenseits. Aber was ist mit der Freude im Diesseits?

 

Man kann zahlreiche Ahadîth in der authentischen Sunnah und Âyât im Qur’ân finden, die die Freude im Diesseits betreffen – und von denen können wir eine Menge lernen!

 

 

Was brauchen wir, um glücklich zu sein?

 

Diese Frage beschäftigt die Menschheit seit ihrer Schöpfung. Unzählige Philosophen, Psychologen, Künstler, Poeten und Lyriker haben versucht, diese Frage zu beantworten – und sind gescheitert. Nicht ein einziger von ihnen schaffte es, ein akkurates und umfassendes Modell des Glücklichseins zu entwickeln. Das bekannteste Modell ist Maslows Bedürfnispyramide. Dieses Modell sagt zusammenfassend aus, unsere Bedürfnisse seien

  1. Physiologisch (Schlaf, Nahrung, Luft, Wasser, etc)

  2. Sicherheit (Unterkunft, finanzielle Sicherheit, Gesundheit, etc)

  3. Sozial (Gemeinschaft, Familie)

  4. Individual

  5. Selbstverwirklichung

  6. Transzendenz (Religiosität)

Sieht logisch aus, oder? Maslow behauptet allerdings, dass man nur Zufriedenheit und Freude aus der Religiosität ziehen kann, wenn alle anderen Bedürfnisse gestillt sind. Stimmt das?

 

Um diese Frage zu beantworten, ziehen wir den edlen Qur’ân zu Rate. Allâh berichtet uns dort von Prophet Ibrâhîm, der seine Frau Hâjar und seinen Sohn Ismâ’îl an einen abgelegenen Ort in der Wüste brachte, wo später die Ka’bah gebaut wurde. Als er die beiden dort zurückließ, machte er ein tiefgründiges Bittgebet: „Unser Herr! Ich habe einen Teil meiner Nachkommenschaft in einem Tal, das ohne Pflanzen ist, bei Deinem Heiligen Haus angesiedelt, unser Herr, damit sie das Gebet hier verrichten! So mache, daß Menschen sie liebevoll aufsuchen, und gib ihnen Früchte, auf daß sie dankbar sein mögen!”[3]

 

Aus diesem bedeutsamen Bittgebet können wir entnehmen, was unsere Bedürfnisse sind, nämlich

  1. Gebet/Religiosität

  2. Gemeinschaft

  3. Nahrung

Wenn du das mit der Bedürfnispyramide nach Maslow vergleichst, wirst du sehen, dass die Bedürfnisse genau andersrum angeordnet sind!

 

Wir können die gleichen Aussagen in der Sunnah finden.

 

Fadalah bin 'Ubaid Al-Ansari überlieferte: Ich hörte den Gesandten Allâhs ﷺ sagen: „Glückseligkeit ist für den, der zum Islam rechtgeleitet wurde und genug Versorgung hat für den Tag und zufrieden bleibt.”[4]

 

Al-Miqdad ibn al-Aswad überlieferte: Ich schwöre bei Allâh, ich hörte den Gesandten Allâhs ﷺ sagen: „Der Glückliche ist derjenige, der Zweitracht vermeidet. Der Glückliche ist derjenige, der Zweitracht vermeidet. Der Glückliche ist derjenige, der Zweitracht vermeidet. Aber wie gut ist derjenige, der davon betroffen wird und Geduld zeigt.”[5]

 

Nafi' ibn 'Abdu'l-Harith überlieferte, dass der Prophet sagte: „Ein Teil der Freude eines Muslims umfasst ein geräumiger Wohnsitz, rechtschaffende Nachbarn und ein gutes Reittier."[6]

 

Wir können also das Level unserer Glückseligkeit selbst beeinflussen.

 

 

 

Sind gläubige Menschen wirklich glücklicher als ungläubige?

 

Studien fanden heraus, dass gläubige Menschen glücklicher sind als ungläubige. Man fand auch heraus, dass die Freude der ungläubigen Menschen eher kurzlebig ist und die Freude der gläubigen Menschen eher langlebig. Erstaunlich!

 

Meine Vermutung ist, dass das einen einfachen Grund hat: religiöse Menschen glauben, dass alles, was in ihrem Leben passiert, eine Bedeutung hat. Und welche Religion gibt dem Leben, Versuchungen und Prüfungen mehr Bedeutung als der Islam?

 

Letzendlich dienen Prüfungen dazu, uns Allâh näher zu bringen. Während du eine harte Zeit erlebst, kommst du Allâh näher. Und wenn die Erleichterung nach der Erschwernis kommt, bist du plötzlich Allâh näher als vorher!

 

Das kannst du auch in deinem Umfeld beobachten. Manche Schwestern und Brüder erleiden unvorstellbare Schmerzen und erleben scheinbar unerträgliche Prüfungen. Manche von diesen Schwestern und Brüdern sind umwerfend geduldig – und deshalb legt Allâh Freude in ihre Herzen.

 

 

 

 

Was ist zu tun?

  • Der allerwichtigste Schritt zu Glückseligkeit ist das Gebet. Wir haben den Beweis für diese Aussage in dem BIttgebet von Ibrâhîm gesehen. Das Gebet gibt dir die Möglichkeit, einige völlig sorgenfreie Momente zu erleben. Vertrau Allâh. Wir können im Qur‘ân lesen: „Es ereignet sich keine Heimsuchung auf der Erde und in euch selbst, die nicht im Buch verzeichnet ist, bevor Wir sie geschehen lassen. Das ist für Gott ein leichtes.”[7]

  • Bleib von verbotenen Taten fern. „Was euch an Unheil geschieht, rührt von euren bösen Taten her. Gott vergibt jedoch viele üble Taten.”[8] Diese Âyah warnt uns vor den üblen Folgen und Strafen unserer üblen Taten.

  • Sei optimistisch – selbst im dunkelsten Augenblick. Wahrscheinlich kennst du diese ganzen Ahadîth und Âyât wie „Mit dem Schweren kommt die Erleichterung.”[9] und „Das Jenseits ist besser für dich als das Dieseits. Dein Herr wird dir hier und dort so viele Gaben gewähren, bis du zufrieden bist.”[10] Aber “mit dem Verstand wissen” ist nicht gleich „mit dem Herzen wissen”. Verinnerliche diese Ahadîth and Âyât. Du kannst sie dir auch einen Zettel schreiben, den du bei dir trägst, um ihn hin und wieder zu lessen. Du kannst einen festen Zeitpunkt ausmachen, an dem du jeden Tag über diese Aussagen nachdenkst. Was auch immer dir gefällt – gehe sicher, dass du diese Versprechen Allâhs verinnerlichst!

  • Sei dankbar – selbst für die kleinsten Dinge.Selbst der Anblick eines Schmetterlings, die kühle Morgenbriese kurz vor Sonnenaufgang, der Segen im Gebet stehen zu können und im Sujûd das Gesicht direkt auf den Boden legen zu können... Das ist alles gewaltiger Segen unseres Herrn!

  • Hilf anderen. „Du sollst die Waise nicht unterdrücken und den Hilfesuchenden nicht hart abweisen.”[11] Allâh möchte, dass wir anderen helfen – vor allem dann, wenn es uns selbst nicht gut geht. Wir werden oft anderen Menschen finden, denen es viel schlechter geht als uns selbst. Und das sind genau diejenigen, mit denen wir uns in weltlichen Angelegenheiten vergleichen sollen. Abu Hurayrah überlieferte: Der Gesandte Allâhs ﷺ sagte, „Schau auf diejenigen, die dir unterlegen sind, und schau nicht auf diejenigen, die dir überlegen sind, denn das wird dich davon abhalten, Allâhs Segen, den Er dir gibt, zu schmälern."[12]

  • Nicht zuletzt: Wenn du glücklich bist, vergiss nicht – und weigere dich nicht! – in Sujûd zu gehen und Allâh zu danken! Es wurde von Abu Bakrah überliefert: wenn der Prophet ﷺ etwas hörte, was ihn glücklich machen oder was einen glücklich machen sollte, warf er sich nieder in Sujûd in Dankbarkeit zu Allâh, den Allerheiligsten und Erhabenen.[13]

 

 

 

[1] Qur’ân 36: 55

 

[2] Qur’ân 52: 18

 

[3] Qur’ân 14: 37

 

[4] Riyad as-Sâlihîn, Buch 1, Hadîth 513; klassifiziert: hasan sahîh

 

[5] Sunan Abi Dawud, Hadîth 4263; klassifiziert: sahîh

 

[6] Al-Adab Al-Mufrad, Hadîth 116; klassifiziert: sahîh li ghayrih

 

[7] Qur’ân 57: 22

 

[8] Qur’ân 42: 30

 

[9] Qur’ân 94: 5 & 6

 

[10] Qur’ân 93: 4-5

 

[11] Qur’ân 93: 8-9

 

[12] Riyad as-Sâlihîn, Buch 1, Hadîth 467; sahîh

 

[13] Sunan ibn Mâjah, Vol. 1, Buch 5, Hadîth 1394; klassifiziert: hasan

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